Sicherheitslichtgitter / Lichtschranke
Risikobewertung für Maschinen: Prozess, Methoden & Normen nach ISO 12100
Wichtige Punkte im Überblick
- Risikobewertung nach ISO 12100 ist für Maschinenhersteller und Betreiber verpflichtend.
- Starten Sie früh in der Konstruktion; Änderungen später sind deutlich teurer.
- Vierstufiger Prozess: Grenzen, Gefahrenerkennung, Risikoeinschätzung, Risikobeurteilung.
- Teamarbeit von Vorteil: Konstrukteur, Sicherheitsfachkraft, Bedien- und Wartungspersonal.
Die Risikobewertung ist die zentrale Methode, um Maschinen sicher zu gestalten und Unfälle zu verhindern. Sie ist nach ISO 12100 für Maschinenhersteller und -betreiber verpflichtend. Diese Seite erklärt den Prozess – von der Gefahrenerkennung bis zur Risikobeurteilung.
Was ist Risikobewertung?
Nach ISO/IEC Guide 51 ist "Risiko" die Kombination aus der Wahrscheinlichkeit des Eintritts eines Schadens und seines Ausmaßes. Sicherheit bedeutet: das Ausschließen unvertretbarer Risiken – nicht die Abwesenheit jedes Risikos. Ein vertretbares Restrisiko bleibt immer bestehen.
| Begriff | Definition nach ISO/IEC Guide 51 |
|---|---|
| Risiko | Kombination aus Schadenswahrscheinlichkeit und Schadensausmaß in einer Gefährdungssituation |
| Sicherheit | Ausschließen unvertretbarer Risiken – Reduktion auf ein akzeptables Maß |
| Gefährdung | Potenzielle Schadensquelle (z.B. bewegliche Maschinenteile, Strom, Hitze) |
| Gefährdungssituation | Wenn eine Person einer Gefährdung ausgesetzt ist (Risiko entsteht erst durch Exposition) |
Vertretbares Risiko
Nach ISO/IEC Guide 51 versteht man unter „Sicherheit“ das Ausschließen eines nicht vertretbaren Risikos“. In anderen Worten: Sicherheit erreicht man, indem man das Risiko auf ein vertretbares Maß reduziert.
Wann ist eine Risikobewertung erforderlich?
Die Risikobewertung ist gesetzlich vorgeschrieben für:
- Maschinenhersteller vor dem Inverkehrbringen (Maschinenrichtlinie 2006/42/EG)
- Betreiber bei wesentlichen Änderungen an bestehenden Maschinen
- Arbeitgeber im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung nach Arbeitsschutzgesetz (§ 5 ArbSchG)
Die Risikobewertung sollte so früh wie möglich in der Konstruktionsphase beginnen – Korrekturen sind in der Planungsphase um ein Vielfaches günstiger als im Nachhinein.
Der 4-stufige Risikobewertungsprozess nach ISO 12100
Stufe 1 – Festlegung der Grenzen der Maschine
Definieren Sie den bestimmungsgemäßen Gebrauch und den vorhersehbar fehlerhaften Gebrauch der Maschine.
Zu berücksichtigen sind:
- Räumliche Grenzen: Verfahrbereiche, Reichweiten, Sicherheitsbereiche
- Zeitliche Grenzen: Lebensdauer, Wartungsintervalle, Verschleißteile
- Benutzergrenzen: Qualifikation, Personengruppen (z.B. nicht unterwiesene Personen)
Stufe 2 – Gefahrenerkennung
Erfassen Sie alle Gefährdungen, die von der Maschine in allen Betriebsphasen ausgehen können:
- Mechanische Gefährdungen: Quetschen, Schneiden, Aufwickeln, Stoßen
- Elektrische Gefährdungen: Stromschlag, elektrostatische Aufladung
- Thermische Gefährdungen: Kontakt mit heißen Oberflächen, Spritzer
- Gefährdungen durch Lärm, Vibration, Strahlung
- Ergonomische Gefährdungen
Tipp: Beziehen Sie verschiedene Personengruppen ein – Bediener, Einrichter, Wartungspersonal. Jede Gruppe ist anderen Gefährdungen ausgesetzt.
Stufe 3 – Risikoeinschätzung
Für jede identifizierte Gefährdung werden zwei Parameter bewertet:
- Schwere des möglichen Schadens (von leicht: reversibel bis schwer: Tod oder irreversibel)
- Wahrscheinlichkeit des Schadenseintritts (Häufigkeit der Exposition × Eintrittswahrscheinlichkeit × Möglichkeit zur Schadensabwendung)
Das Ergebnis wird in einer Risikobeurteilungsmatrix dargestellt. KEYENCE empfiehlt die Verwendung eines standardisierten Bewertungsformats, das für alle Beteiligten nachvollziehbar ist.
Stufe 4 – Risikobeurteilung
Auf Basis der Risikoeinschätzung wird entschieden: Ist das Risiko auf einem tolerierbaren Niveau? Falls nein, werden Schutzmaßnahmen nach der 3-Stufen-Methode (Hierarchie der Risikoreduzierung) eingeleitet. Der Prozess wird iterativ wiederholt, bis alle Risiken tolerierbar sind.
Wer führt die Risikobewertung durch?
Eine Risikobewertung ist Teamarbeit. Ideale Zusammensetzung des Bewertungsteams:
- Konstrukteur / Maschinenbauer
- Sicherheitsfachkraft / Sicherheitsingenieur
- Mit der Maschine vertrautes Personal
- Wartungs- und Instandhaltungspersonal
Ein interdisziplinäres Team erkennt Gefährdungen, die einzelne Spezialisten übersehen würden.
Weiterführende Seiten & Produkte
KEYENCE Sicherheitsexperten unterstützen Sie bei der Auswahl normkonformer Sicherheitskomponenten für Ihre Anwendung.
Kontaktieren Sie uns und erfahren Sie, wie unsere fortgeschrittene Technologie hilft, um Ihr Business aufs nächste Level zu heben.
Kontakt
Unser Vorgehen orientiert sich an der DIN EN ISO 12100:2010 und Maschinenrichtlinie 2006/42/EG. Wir verfolgen die laufende Revision dieser Normen im Kontext der neuen EU-Maschinenverordnung aufmerksam. Nach Veröffentlichung und Harmonisierung der aktualisierten Norm werden wir einen entsprechenden Abgleich vornehmen und unsere Dokumentation bei Bedarf aktualisieren.
Verwandte Produkte
Empfohlene Artikel
-
Leitfaden zur Arbeitssicherheit
Dieser Leitfaden stellt eine Vielzahl von Sicherheitsinformationen vor, darunter Maschinensicherheitsnormen (für Produktionsanlagen und andere Maschinen), die Klassifizierung der Performance Level (PL), die zur Definition der Risikobewertung und der Sicherheitsfaktoren verwendet wird, sowie spezifische Sicherheitseinrichtungen und Sicherheitssysteme.
Scroll