Optimierung der Prüfung von Blechteilen

Wichtige Punkte im Überblick

  • Die Prüfung von Blechteilen erfordert die Erfassung der vollständigen 3D-Geometrie, um Verzug und Verformung zu quantifizieren.
  • Taktile Messmittel wie Messschieber und Messuhren erfassen nicht das Gesamtbild, sodass die Ergebnisse je nach Bediener variieren können.
  • Der 3D-Scanner der Modellreihe VL von KEYENCE bietet einen CAD-Vergleich, um Fehler schnell zu visualisieren.
  • Vollständige 3D-Scans ermöglichen die Prüfung von Maßen, die Messung der Dicke und die Prüfung kleiner Radien an jeder beliebigen Stelle des Bauteils.
  • Die vollständige 360°-Erfassung beschleunigt die Prüfung und reduziert den manuellen Aufwand bei großen oder komplexen Messobjekten.

Blech bezeichnet dünnes, flaches Metallmaterial wie Stahl, Aluminium oder Edelstahl, das zu Bauteilen geformt werden kann. Die Umwandlung dieser Rohbleche in funktionale Bauteile wird als Blechbearbeitung bezeichnet. Darunter versteht man eine Reihe von Fertigungstechniken, die Schneiden, Stanzen, Biegen, Formen und Schweißen umfassen. Diese Verfahren werden branchenübergreifend für alles von Gerätegehäusen und Karosserieteilen für die Automobilindustrie bis hin zu Fassadenverkleidungen und Flugzeugkomponenten eingesetzt.

Da Blechteile häufig Biegungen, Flansche, Löcher und komplexe Krümmungen aufweisen, können bei den Fertigungsschritten Verformungen, Rückfederungen und lokaler Verzug auftreten. Diese Fehler erschweren die Überprüfung, ob ein fertiges Blechteil seiner Sollform und seinen Abmessungen entspricht. Einzelpunktprüfungen und manuelle Inspektionen übersehen oft feine Oberflächenabweichungen und sind bei komplexen Geometrien langsam oder inkonsistent. Auf dieser Seite werden die Grundlagen der Blechbearbeitung behandelt und es wird gezeigt, wie die Prüfung von Blechbauteilen verbessert werden kann.

Über die Blechbearbeitung

Die Blechbearbeitung umfasst das Schneiden, Biegen, Schweißen und die Oberflächenveredelung einer Metallplatte, um die gewünschte Form zu erhalten. Die Reihenfolge variiert je nach Bauteil, aber typischerweise wird die Platte zuerst auf einer Schlagschere zugeschnitten, dann auf einer NC (numerisch gesteuerten) Revolverstanzpresse gestanzt, auf einer Abkantpresse gebogen und durch Punktschweißen gefügt. Die abschließenden Schritte der Oberflächenveredelung umfassen üblicherweise Bohren, Polieren, Reinigen und Lackieren.

  • 1
    Blechmaterial
  • 2
    Scheren (Scherprozess)
  • 3
    Revolverstanzen (Stanzprozess)
  • 4
    Abkantpresse
  • 5
    Punktschweißen
  • 6
    Bohren & Polieren
  • 7
    Reinigen & Lackieren

Hauptprozesse der Blechbearbeitung

Schneiden/Stanzen

Schneiden und Stanzen sind die ersten Schritte, um eine Metallplatte auf die in einer Zeichnung angegebenen Maße zu bringen. Beim Schneiden wird das Material entlang einer Linie getrennt. Dies geschieht üblicherweise durch Scheren (mechanisches Schneiden mit einer Klinge) oder durch Laserschneiden, bei dem das Material mit einem fokussierten Strahl geschmolzen oder verdampft wird. Beim Stanzen werden Formen wie Löcher oder Schlitze entfernt, indem ein Stempel durch das Blech getrieben wird, typischerweise mit einer Revolverstanzpresse, die schnell viele verschiedene Lochmuster ausführen kann. Wenn eine Platte auf den erforderlichen Umriss zugeschnitten oder gestanzt wird, nennt man dies Ausschneiden. Das hergestellte Stück am Ende des Prozesses wird als Platine bezeichnet.

Biegen

Durch Biegen einer flachen, zugeschnittenen Metallplatte werden die in der Zeichnung geforderten abgewinkelten oder geformten Merkmale umgewandelt. Werkstätten führen das Biegen auf einer Abkantpresse durch, die mit einem Stempel und einer Matrize Kraft entlang einer geraden Linie ausübt und eine kontrollierte Faltung erzeugt. Zu den verschiedenen Biegetechniken gehören das freie Biegen, bei dem das Werkstück die Matrize nicht vollständig berührt und das Gesenkbiegen oder Prägen, bei dem der Stempel das Material für einen exakteren Winkel vollständig in die Matrize drückt. Die Werkzeuggeometrie und der Biegeradius bestimmen, wie das Metall fließt und wie stark das Material nach Wegnahme der Last zurückfedert. Da das Biegen auf passgenau abgestimmte Stempel- und Matrizenwerkzeuge angewiesen ist, ähnelt es dem Stanzen in seiner Abhängigkeit von Werkzeuggenauigkeit und Wiederholbarkeit.

Schweißen

Durch Schweißen werden Blechteile zu Baugruppen und Fertigprodukten gefügt. Es wird verwendet, um starke, dauerhafte Verbindungen zu schaffen, wo Nähte, Halterungen, Versteifungen oder strukturelle Verbindungen erforderlich sind. In der Blechbearbeitung dient das Schweißen drei Hauptzwecken: dem Zusammenbau von Komponenten, der Wiederherstellung oder Verstärkung von geschnittenen oder geformten Kanten sowie dem Anbringen von Merkmalen wie Laschen, Nocken oder Halterungen. Im Folgenden werden gängige Schweißverfahren in der Blechbearbeitung vorgestellt:

YAG-Laserschweißen
Das YAG (Yttrium-Aluminium-Granat)-Laserschweißen zeichnet sich durch eine geringe Wärmeeinflusszone und minimale Verformungen bei dünnen Stahlblechen aus und eignet sich daher besonders für die Präzisionsblechbearbeitung.

Halbautomatisches Schweißen
Bei diesem Verfahren ist trotz automatischer Drahtzuführung die Anwesenheit eines Bedieners erforderlich. Die automatische Drahtzuführung erhöht jedoch die Schweißgeschwindigkeit und unterstützt einen kontinuierlichen Prozess. Je nach verwendetem Schutzgas wird das Verfahren als CO₂-, MAG- oder MIG-Schweißen klassifiziert.

WIG-Schweißen
Beim WIG-Schweißen (Wolfram-Inertgas-Schweißen) wird in der Regel Argon als Schutzgas eingesetzt. Das Verfahren eignet sich für eine Vielzahl von Werkstoffen, darunter Edelstahl sowie Aluminium, und zeichnet sich durch eine hohe Schweißnahtqualität sowie eine besonders saubere Oberflächenbeschaffenheit aus. Daher wird es häufig in Anwendungen eingesetzt, bei denen primär optische Anforderungen erfüllt werden müssen.

Punktschweißen
Beim Punktschweißen erfolgt die Verbindung von Blechen durch das punktuelle Einleiten eines elektrischen Stroms zwischen zwei Elektroden. Die entstehende Wärme erzeugt im Überlappungsbereich eine dauerhafte Schweißverbindung. Aufgrund seiner Effizienz wird das Verfahren häufig zum Fügen dünner Bleche eingesetzt, während es für größere Materialstärken nur eingeschränkt geeignet ist.

Bolzenschweißen
Beim Bolzenschweißen werden Bolzen, wie z. B. Schrauben oder Muttern, mit einer Metallplatte verbunden. Die Schweißung ist schnell, hat kaum Auswirkungen auf das Grundmaterial und ist daher in kürzester Zeit abgeschlossen.

Unterschied zwischen Blechbearbeitung und Stanzen

Sowohl die Blechbearbeitung als auch die Umformtechnik basieren auf der gezielten Verformung metallischer Werkstoffe. Die Blechbearbeitung kann daher als Teilbereich der Umformtechnik betrachtet werden. In der Praxis kommen in der Blechbearbeitung jedoch häufig universell einsetzbare Werkzeuge für Biege- und einfache Umformprozesse zum Einsatz, während in der Umformtechnik speziell ausgelegte Werkzeuge verwendet werden, um komplexe Geometrien und mehrstufige Umformprozesse zu realisieren.
Zu den verschiedenen Umformverfahren gehören:

  • Einzelhubpresse: Der Bediener positioniert das Werkstück in der Presse und entnimmt es nach Abschluss des Bearbeitungsschritts. Das Verfahren bietet ein hohes Maß an Flexibilität und wird daher häufig für die Kleinserienfertigung großer Bauteile eingesetzt. Da jeder Pressenhub nur einen einzelnen Umform- oder Bearbeitungsschritt ausführt, sind die Möglichkeiten zur Automatisierung und Steigerung der Produktionsgeschwindigkeit begrenzt.
  • Folgeverbundpresse: Bei einer Folgeverbundpresse durchläuft das Bandmaterial ein Werkzeug mit mehreren aufeinanderfolgenden Bearbeitungsstationen. Mit jedem Pressenhub wird das Material schrittweise weitertransportiert, sodass an jeder Station ein anderer Fertigungsschritt ausgeführt wird. Da kein separater Bauteiltransfer zwischen den einzelnen Stationen erforderlich ist, lassen sich auch komplexe Bauteile mit hoher Prozesssicherheit und kurzen Zykluszeiten herstellen. Dadurch eignet sich das Verfahren besonders für die automatisierte Großserienfertigung.
  • Transferpresse: Eine Transferpresse kombiniert Einzeloperations-Pressstationen mit einem mechanischen Transfersystem, welches das Werkstück von einer Station zur nächsten bewegt. Dieser Ansatz kann größere oder schwerere Teile als Folgeverbundwerkzeuge verarbeiten und hohe Ausbeuten erzielen. Transferpressen eignen sich besonders für die Fertigung größerer und komplexerer Bauteile, bei denen die Anforderungen an Geometrie und Umformkraft mit Folgeverbundwerkzeugen nur schwer realisierbar sind.

Was versteht man unter Präzisionsblechbearbeitung?

Bei der herkömmlichen Blechbearbeitung werden typischerweise Blechdicken von etwa 1 bis 4 mm verwendet. Im Gegensatz dazu wird bei der Präzisionsblechbearbeitung mit wesentlich dünnerem Material (etwa 0,1 bis 3 mm) gearbeitet, wenn eine engere Maßkontrolle erforderlich ist. Materialien dieser geringen Stärke werden häufig für Bauteile in elektronischen Geräten, Kommunikationssystemen und Anlagen der Halbleiterfertigung eingesetzt. Diese Anwendungen zeichnen sich durch komplexe Geometrien, eine Vielzahl von Biegevorgängen sowie präzise Loch- und Positionsmaße mit engen Toleranzen aus. Um die geforderte Passgenauigkeit, Damit die Bauteile ihre Funktion zuverlässig erfüllen und sich problemlos montieren lassen, sind hochpräzise Umformprozesse und die konsequente Einhaltung enger Fertigungstoleranzen erforderlich.

Herausforderungen bei der herkömmlichen Blechprüfung

Die Blechbearbeitung umfasst mehrere Fertigungsschritte, bei denen komplexe Bauteilgeometrien entstehen. Während der Bearbeitung können sich die Teile verziehen oder verformen, wodurch Abweichungen von den Sollmaßen entstehen. Um die geforderte Qualität sicherzustellen, sind daher regelmäßige Maßprüfungen erforderlich. Besonders in der Präzisionsblechbearbeitung stellt dies eine Herausforderung dar, da hier sehr enge Fertigungstoleranzen eingehalten werden müssen.

Herausforderungen bei der Messung mit Messschiebern

Messschieber werden häufig für die Maßprüfung eingesetzt. Bei komplexen Blechteilen stoßen sie jedoch an ihre Grenzen, da sie die vollständige Bauteilgeometrie nur eingeschränkt erfassen und Formabweichungen oft nicht zuverlässig erkennen können. Darüber hinaus können bedienerabhängige Unterschiede bei der Messung zu Abweichungen in den Ergebnissen führen.

Bewertung des Schweißverzugs

Beim Schweißen werden einzelne Blechteile miteinander verbunden. Die dabei eingebrachte Wärme kann jedoch zu Verzug, Verwerfungen oder Welligkeiten führen, insbesondere bei dünnen Blechwerkstoffen. Um diese Formabweichungen zuverlässig zu bewerten, reicht eine punktuelle Messung mit herkömmlichen Werkzeugen wie Messschiebern oder Messuhren häufig nicht aus. Zwar lassen sich einzelne Merkmale erfassen, die Beurteilung der gesamten Bauteilgeometrie erfordert jedoch zahlreiche Messpunkte und einen hohen Zeitaufwand.

Lösungen für Herausforderungen der Blechprüfung

Um die Herausforderungen bei der Prüfung von Blechteilen zu bewältigen, benötigen Sie eine genaue Ansicht der Gesamtform und der Abmessungen. Der optische 3D-Scanner der Modellreihe VL von KEYENCE, löst diese Herausforderung. Der 3D-Scanner erfasst einen vollständigen 360°-Scan Ihres Messobjektes und ermöglicht dadurch hochpräzise 3D-Messungen. So können Scans mit CAD-Daten verglichen werden und Unterschiede schnell mit einer Farbkarte erkannt werden. Darüber hinaus ermöglicht das System den direkten Vergleich einzelner Bauteile sowie die Durchführung von Dickenmessungen an frei wählbaren Positionen. Dadurch lassen sich selbst geringfügige Abweichungen und bislang schwer erkennbare Defekte zuverlässig identifizieren.

Vorteil 1: Quantifizieren Sie die Abweichung über Ihr gesamtes Bauteil

Herkömmliche Messmittel wie Messschieber oder Messuhren ermöglichen lediglich punktuelle Prüfungen, wodurch die Auswirkungen des Schweißprozesses auf die gesamte Bauteilgeometrie nur schwer zu erfassen sind. Mit dem 3D-Scanner der Modellreihe VL von KEYENCE kann die komplette Bauteiloberfläche digitalisiert und direkt mit den CAD-Daten verglichen werden. Dadurch werden Verzug und Formabweichungen auf einen Blick sichtbar und lassen sich präzise quantifizieren.

Vorteil 2: Maßprüfungen an beliebigen Stellen des Bauteils durchführen

Die Maßprüfung komplexer Blechteile ist mit herkömmlichen Messmethoden oft zeitaufwendig und mit hohem Prüfaufwand verbunden. Durch die flächige Datenerfassung der Modellreihe VL von KEYENCE steht die komplette Bauteilgeometrie digital zur Verfügung. Dadurch können Messungen an beliebigen Stellen des Werkstücks durchgeführt werden, ohne dass eine erneute Datenerfassung erforderlich ist. Darüber hinaus unterstützt das System Koordinatenmessungen auf Basis von XYZ-Daten sowie die einfache Prüfung von Form- und Lagetoleranzen.

Vorteil 3: Kleine Radien und Biegebereiche präzise vermessen

Kleine Radien und ähnliche Merkmale sind mit herkömmlichen Messverfahren schwer zu erfassen. Auf Basis der hochauflösenden Scandaten der Modellreihe VL von KEYENCE lassen sich selbst kleinste Radien in gebogenen Bereichen zuverlässig analysieren. Auch können Scans mit einem CAD-Modell oder einem Referenzteil verglichen werden. Dies ermöglicht beispielsweise die einfache Bewertung der Verformung von Scharnierblechteilen nach einer Haltbarkeitsprüfung (siehe Abbildung).

Optimieren Sie Ihre Blechprüfung: Erzielen Sie signifikante Effizienzsteigerungen durch genaue und einfache Bauteilvergleiche

Die Prüfung von Bauteilen mit herkömmlichen Messverfahren war schwierig und zeitaufwändig. Der optischen 3D-Scanner der Modellreihe VL von KEYENCE kann innerhalb weniger Augenblicke schnell Ihr Messobjekt erfassen. Das System vereinfacht den Vergleich mit 3D-CAD-Daten, verbessert die Messgenauigkeit und reduziert den für die Prüfung erforderlichen Arbeitsaufwand.

  • Die erfassten 3D-Daten lassen sich direkt mit den CAD-Daten vergleichen, sodass Abweichungen über die gesamte Bauteilgeometrie hinweg schnell und präzise erkannt werden können.
  • Große Bauteile können in einer einzigen Aufnahme erfasst werden, so dass die Prüfung nicht durch die Bauteilgröße eingeschränkt ist.
  • Komplexe Formen, bei denen herkömmliche Messverfahren an ihre Grenzen stoßen, können mit dem 3D-Scanner mühelos erfasst werden.
  • Das System misst präzise Biegungen mit kleinem Radius und eignet sich daher für die präzise Prüfung von Blechen.
  • Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass die Materialstärke an jeder beliebigen Stelle des Bauteils geprüft werden kann. Da die vollständige Bauteilgeometrie in einem einzigen Scan erfasst wird, stehen die erforderlichen Messdaten unmittelbar für nachträgliche Analysen zur Verfügung.

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